FAQ Nichtinvasive Neuromodulation
Fragen und Antworten zur Therapie mit repetitiver Magnetstimulation und transkranieller Gleichstromstimulation
Synonyme: Magnetische Hirnstimulation, TMS-Therapie, Gleichstromtherapie
Wie sicher kann ich sein, dass meine Erkrankung auf die Therapie mit repetitiver Magnetstimulation (rTMS/rPMS) anspricht?
In einer ärztlichen Voruntersuchung wird vor der Anwendung geprüft, ob bei Ihnen eine Indikation vorliegt, bei der in einer wissenschaftlichen Studien ein Therapieeffekt beschrieben wurde. Bedenken Sie bei Ihren Therapieerwartungen die in Medikamentenstudien üblichen Zahlen. So gilt ein Medikament schon als wirksam, wenn bei jedem 6. bis 12. Patienten ein zur Placebobehandlung unterschiedlicher und klinisch wesentlicher Effekt nachweisbar war; man spricht dann von einer number needed to treat = NNT von 6 bis 12. Die Therapie mit repetitiver Magnetstimulation wird in der Regel bei Patienten angewendet, die auf übliche Therapien nicht ansprechen, oder diese nicht vertragen haben (beispielsweise Medikamente), also bei schwierig zu behandlenden Erkrankungen. Bei chronischen Erkrankungen kann leider bei jeder Art von Therapie die Wirkung für den einzelnen Patienten nicht garantiert werden.
Ich möchte mich mit rTMS oder tDCS behandeln lassen.
Auf den Seiten des Netzwerk Neuromodulation finden Sie Behandlungseinrichtungen, die diese Verfahren anwenden. Bedenken Sie bitte, dass die nichtinvasive Neuromodulation die genaue ärztliche Diagnostik und die bei Ihrer Erkrankung übliche Standardtherapien nicht ersetzen kann. Es wird darauf hingewiesen, dass im Netzwerk Neuromodulation Behandlungseinrichtungen aufgeführt sind, die jeweils in eigener Verantwortung arbeiten. Für Fragen zu Details der Behandlung und Kosten wenden Sie direkt an die Behandlungeinrichtungen. Das Netzwerk Neuromodulation übernimmt keine Verantwortung für Indikationsstellung, Aufklärung, Behandlung, Abrechnung oder Fragen zur ärztlichen Haftung.
Ich bin an der nichtinvasiven Neuromodulation interessiert, möchte aber Wissen, ob eine Wirkung bei meiner Erkrankung nachgewiesen ist.
Im Vergleich zu anderen nichtmedikamentösen Therapieverfahren gibt es für die Wirkung der nichtinvasiven Neuromodulation methodisch gute Studien. Für ein nichtmedikamentöses Verfahren erscheint die wissenschaftliche Evidenz zur therapeutischen repetitiven Magnetstimulation (rTMS) oder der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) als gut (Evidenzgrad 1b bis 2b je nach Indikation), zumal die Nebenwirkungen vorübergehend und selten sind. Als Heilversuch können rTMS oder tDCS eingesetzt werden, wenn bewährte Therapien nicht ausreichend wirksam waren, oder nicht vertragen wurden. Auf den Seiten Wirkung bei Erkrankungen des Netzwerk Neuromodulation finden Sie weitere Informationen.
Ich möchte die nichtinvasive Neuromodulation (rTMS, rPMS, tDCS, Thetaburst-Stimulation) an meinem Wohnort durchführen. Können Sie mir eine Adresse nennen?
Für diese neue Therapieform gibt es leider noch wenige Behandlungseinrichtungen in Deutschland. Eine Übersicht von Therapieeinrichtungen in Deutschland finden Sie hier, die vom Netzwerk Neuromdoulation bereitgestellt wird. Für auswärtige Patienten werden die Behandlungen meistens in kompakter Form angeboten. An einigen Universitätskliniken werden rTMS und tDCS auch therapeutisch angewendet, meistens jedoch nur im Rahmen von befristeten Studien.
Ich bin gesetzlich krankenversichert und benötige einen Antrag, damit meine Kasse die Behandlungskosten übernimmt.
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erstattet Ihnen die Kosten der nichtinvasiven Neuromodulation in der Regel nicht. Die Kostenerstattung in der GKV hängt vom Gemeinsamen Bundesausschuss ab, einem zentralen Gremium in Deutschland, der zur Anwendung der nichtinvasive Neuromodulation bisher nicht Stellung genommen hat. Für die Therapie mit nichtinvasiver Neurmodulation müssen Sie somit das Honorar im Rahmen einer privatärztlichen Vereinbarung selbst bezahlen. Privat Krankenversicherte (PKV) oder Beihilfeberechtigte sprechen das Vorgehen zur Kostenerstattung mir ihrer Behandlungseinrichtung ab.
Ich habe gehört, dass durch repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ein epileptischer Anfall ausgelöst werden kann. Wie häufig kommt das vor?
Dieses Risiko besteht, ist aber seit der Anwendung von Sicherheitsprotokollen nach den Wassermann-Kriterien (siehe Tabelle 2) extrem gering geworden und wird auf unter 1:10000 Anwendungen eingeschätzt. Dieses Risiko besteht auch bei vielen alltäglichen Medikamenten oder bspw. bei einer Gesichtsfeldprüfung. Auch ist weltweit noch nie eine Epilepsie mit wiederholten Anfällen beschrieben worden, die durch rTMS verursacht wurde. Wenn Anfälle beschrieben wurden, sind diese unter oder kurz nach der Magnetstimulation aufgetreten, somit in einer Umgebung mit guter medizinischer Versorgungsmöglichkeit. Um Anfälle möglichst auszuschließen, wird die rTMS-Therapie bei Patienten mit bekannter Epilepsie meistens nicht angewendet. Eine Ausnahme können nach sorgfältiger Abwägung niederfrequente rTMS-Protokolle verwendet, für die sogar eine hemmende Wirkung auf die Anfallshäufigkeit bei Patienten mit Epilepsie beschrieben wurde.
Können Sie mir ein Buch oder deutsche Artikel zur rTMS/rPMS/tDCS-Anwendung nennen?
Leider gibt es für diese Therapien noch keine umfassenden deutschsprachigen Veröffentlichungen. Die wissenschaftlichen Artikel liegen fast durchweg in Englisch vor, die wir aus urheberrechtlichen Gründen meistens nicht zum Download bereitstellen dürfen. Sie finden aktuelle Links in den Literaturlisten auf den Seiten "Wirkung bei Erkrankungen".
Was ist mit ein Protokoll zur nichtinvasiven Neuromodulation gemeint?
Bei gerätegestützten Therapieverfahren, wie sie für rTMS, rPMS, Thetaburst Stimulation oder tDCS angewendet werden, sind eine Vielzahl von Einstellungen möglich. Neben anderen technischen Parametern müssen beispielsweise die Stimulationsorte am Kopf, die Stimulationsstärke (Magnetdosis), Dauer und Abstände zwischen den Anwendungen festgelegt werden. All diese Parameter werden in Protokollen beschrieben, die je nach medizinischer Indikation unterschiedlich sind. Im Netzwerk Neuromodulation werden ausgewählte, von uns bereits angewandte Protokolle bereitgestellt, für die in wissenschaftlichen Studien mit Plazebovergleich ein therapeutische Wirkung in einer medizinischen Indikation beschrieben wurde. Wie Sie diese Protokolle zum Einsatz in Praxis und Klinik bekommen können, haben wir hier zusammengestellt.
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Coyright PD Dr. med. Roland